Streiflicht: Das Ausbildungsspital

Die Ausbildung von qualifizierten Krankenschwestern war bereits bei der Gründung des Diakonissenspitals ein zentrales Anliegen, das bald auch das Behandlungs- spektrum der Institution prägte. Im 20. Jahrhundert wurden die Lehrgänge ausgebaut und systematisiert.

Bei der Gründung des Diakonissenspitals im Jahr 1852 stand die Ausbildung von Krankenschwestern im Vordergrund. Als Vorbild diente die Kaiserwerther Diakonissenanstalt, die rund zwanzig Jahre zuvor in der Nähe von Düsseldorf gegründet worden war. Unverhei- ratete Frauen konnten hier eine Krankenpflegeausbildung absolvieren. Sie lebten in einer evangelischen Schwesternschaft zusammen, einer Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft, die sie unter anderem auch für das Alter absicherte.

Der Gründungszweck prägte auch das Behandlungsspektrum des Spitals. Die Probeschwestern sollten im Rahmen ihrer rund einjährigen Ausbildung eine möglichst grosse Bandbreite an Fällen kennenlernen. Darüber hinaus wurde ihnen auch die Möglichkeit geboten, sich im Operationssaal zu qualifizieren. Der leitende Arzt, Ludwig Georg Courvoisier-Sachs (1843–1918), rief die zuweisenden Ärzte 1876 deshalb explizit dazu auf, „dass sie uns weniger, als es besonders früher geschah, aber auch jetzt geschieht, unbedeutende oder sehr chronische Fälle oder Reconvalescenten zuweisen. Für eine Krankenwartschule ist sicherlich nichts nothwendiger, als ein möglichst rascher Wechsel der Kranken und eine möglichst allseitige Vertretung der verschiedenen namentlich auch der acuten Krankheiten“, unterstrich Courvoisier seine Bitte, der offenbar viele Hausärzte nachkamen, wie das zunehmend breite Behandlungsspektrum des Spitals zeigt.

Erschwert wurde die Ausbildung durch die grosse Nachfrage nach qualifizierten Krankenschwestern und die daraus resultierenden unregelmässigen Eintritts- und Versetzungstermine der Probeschwestern. Nach dem Abschluss ihrer einjährigen Ausbildung wurden sie oft nicht im Mutterhaus in Riehen, sondern in den Aussenstationen in der ganzen Schweiz oder in anderen Spitälern eingesetzt.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass das Ausbildungsprogramm systematisiert werden musste. In den 1930er-Jahren passte das Diakonissenspital deshalb seinen Lehrgang den Richtlinien des Schweizerischen Roten Kreuzes an und verlängerte ihn auf drei Jahre. 1943 erhielt die Schule die volle Anerkennung des Schweizerischen Roten Kreuzes.

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