Die Geschichte des Spitals

Das Diakonissen-/ Gemeindespital Riehen war nicht nur ein Akutspital, das die medizinische Grundversorgung der lokalen Bevölkerung abdeckte. Es spielte auch eine wichtige Rolle in der Pflegeausbildung und war weit über Riehen hinaus für seine chirurgischen Spezialgebiete bekannt.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war die Geschichte des Riehener Spitals eng mit der Geschichte des Diakonissenhauses verwoben. Sowohl das Mutterhaus der Diakonissen als auch das angegliederte Spital wurden im Jahr 1852 durch Christian Friedrich Spittler (1782–1867) initiiert. Der Sekretär der Deutschen Christentumsgesellschaft reagierte mit der Gründung auf den Mangel an Krankenschwestern, die den steigenden Anforderungen in den Spitälern gewachsen waren.

In den ersten beiden Jahrzehnten standen zur Erreichung dieses ambitionierten Ziels allerdings nur beschränkte Mittel zur Verfügung: In engen, zum Teil auch feuchten Räumen versorgte die erste Oberschwester Trinette Bindschedler (1825–1879) mit der Unterstützung von Probe- und Pflegeschwestern jährlich bis zu 230 Patientinnen, darunter etliche Typhuskranke. Sie trug viel Verantwortung: Der Arzt, der für die Diagnosen und Therapien sowie für einen Teil des Unterrichts zuständig war, war nicht vollamtlich angestellt, sondern betrieb gleichzeitig ein Praxis in Basel und war deshalb oft nicht anwesend.

Ausweitung des Behandlungsspektrums

Ganz neue Perspektiven eröffneten sich im Jahr 1871, als der Spitalbetrieb in ein neues Gebäude – das heutige Mutterhaus – verlegt und ein ständiger Arzt angestellt wurde. Das Diakonissenspital konnte jetzt mehr Patienten aufnehmen. Ausserdem stand ein eigener Operationssaal zur Verfügung. Auf dieser Grundlage weiteten die Ärzte und Schwestern das Behandlungsspektrum aus. Neben Routinebehandlungen führten sie seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert auch komplexe Operationen durch, insbesondere Eingriffe an den Gallenwegen und an der Schilddrüse. Die Schilddrüsenchirurgie entwickelte sich im 20. Jahrhundert zum bedeutendsten Spezialgebiet des Spitals, das bald auch als „Kropfspital“ bezeichnet wurde.

Bereits 1907 wurde der Spitalbetrieb wieder in einen Neubau verlagert. Er umfasste über hundert Betten und wurde – deutlich erweitert – bis zur Schliessung im Jahr 2009 genutzt. Hier konnten die Schwestern systematischer als bisher in die Krankenpflege eingeführt werden. In den folgenden Jahrzehnten florierte das Spital, die Zahl der Patienten und der Operationen nahm – mit Ausnahme eines kriegsbedingten Einbruchs in den frühen 1940er-Jahren – kontinuierlich zu. In den 1930er-Jahren wurde die Innere Medizin zu einer eigenen Abteilung ausgebaut, am Ende des Jahrzehnts weihte man einen Erweiterungsbau an der Schützengasse ein.

Vom Diakonissen- zum Gemeindespital

In den 1960er-Jahren machten steigende Defizite und sinkende Schwesternzahlen der Institution zu schaffen. 1973 übernahm deshalb die Gemeinde Riehen das Spital. Die Verantwortung für den Betrieb lag zunächst beim Kantonsspital Basel. Ab 1997 war die Gemeinde Riehen auch für den Betrieb des Spitals zuständig, das sowohl in der Öffentlichkeit als auch in medizinischen Kreisen auf eine hohe Akzeptanz stiess. Im Zusammenhang mit der Restrukturierung des gesamten schweizerischen Gesundheitswesens und nach längeren Diskussionen wurde das Gemeindespital Riehen Ende 2009 geschlossen. Die umgebauten Räumlichkeiten des ehemaligen Spitals beherbergen heute das Geistlich-diakonische Zentrum der Kommunität Diakonissenhaus Riehen sowie ein durch die Meconex betriebenes Gesundheitszentrum und ein Geriatriespital der Basler Adullam-Stiftung.  

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